Enttäuscht von Gott?!

[Lesezeit ca. 9 Minuten]

Manchmal ist es ein Schock, der unser Leben verändert, von heute auf morgen! Als der Teenager Lizzie Velasquez, damals 17, im Jahre 2006, durch das Internet surfte, blieb sie plötzlich bei YouTube hängen, dort sah sie ein 8-sekündiges Standvideo, das ihr fast die Luft zum Leben nahm: ein Video über die angeblich hässlichste Frau der Welt, es ging dabei um sie selbst!

Für Lizzie brach eine Welt zusammen! Sie war wegen ihres Aussehens immer schon von ihren Klassenkameraden gehänselt worden, aber dies hier war  der absolute Gipfel. Sie war vor 4 Mio. Usern gedemütigt und vorgeführt worden und in einigen Hass-Kommentaren sogar zum Selbstmord aufgefordert worden. Offen war spekuliert worden, warum ihre Mutter sie nicht abgetrieben hatte. Mehr Ausgrenzung geht nicht. Ein schrecklicher Moment, der ihr Leben von da an prägen sollte. Durch eine seltene Krankheit sah sie anders aus als andere Menschen, war sehr klein und hager.

Wie Menschen den Lebensmut verlieren

Es sind Momente wie diese, die Menschen den Lebens-Mut nehmen, sie aus dem Leben und aus der Gesellschaft werfen und sie enttäuscht, verbittert und einsam enden lassen. Manche tauchen in Alkohol und Drogen unter, andere werden krank und nicht wenige ziehen sich aus der Gesellschaft zurück, enttäuscht von Gott und den Menschen! Wo ist Gott in solchen Situationen? Warum kümmert er sich nicht? Warum tut er kein Wunder? Denkt er am Ende genauso wie diese Menschen.

Ähnlich schreckliche Schicksale erfuhren Nick Vujicic, der komplett ohne Arme und Beine geboren wurde sowie Bethany Hamilton, die im Alter von 13 Jahren beim Surfen einen Arm durch eine Haiattacke verlor. Diese drei sind sicher nicht die ersten und es werden auch nicht die letzten sein, die durch schwere Schicksalsschläge in ihrem Leben  vorerst zurückgeworfen werden. Allerdings ist es erstaunlich, wie sie heute dastehen. Alle drei sind absolute Mut-Macher, die tausende Menschen motiviert haben. Alle drei haben ermutigende Bücher geschrieben, zwei von ihnen sind Motivationstrainer. Wie kann das sein? Wie ist so etwas möglich? Wo bekommt man eine solche Motivation und Lebenskraft her?

Enttäuscht und schlecht gelaunt! 

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An diesem Strand haderten 7 Männer mit Gott

Es waren 7 Männer, die vor langer Zeit über einen Strand schlenderten und lustlos Steine vor sich her kickten. Man konnte annehmen, dass irgendwas schief gelaufen war. Jahre ihres Lebens hatten sie in den Dienst einer guten Sache gestellt, hatten blendende berufliche Perspektiven geopfert und alles stehen und liegen gelassen. Ihre Seelen waren aufgewühlt, Gedanken lieferten sich eine wirre Schlacht, alles mögliche ging ihnen durch den Kopf als sie plötzlich ein Fischernetz in einem verlassenen Boot liegen sahen. Sofort ploppbte die Erinnerung wieder auf, nur drei Jahre war es her gewesen, dass einige von ihnen täglich Massen von Fischen fingen und so ihren Lebensunterhalt verdienten. Schlecht war das Leben nicht gewesen. Vielleicht hatten sie es zu schnell aufgegeben? Schnell war die Männergruppe sich einig und man fuhr mit dem herumliegenden Boot auf den See und fischte sich das Abendbrot, so zumindest war der Plan. Aber irgendwie wollte das nicht gelingen. Das passte irgendwie zum Tag und zur Grundstimmung. Ein richtig beknackter Tag!

So wie der Männergruppe an einem See im nördlichen Israel vor etwa 2.000 Jahren, ergeht es heute vielen Menschen. Die Geschichte ist aktueller und tiefer als man beim ersten Lesen glauben mag. Der christliche Glaube polarisiert und ist Thema wilder Gedanken, leidenschaftlicher Liebe und tiefer Verunsicherung. Viele Menschen lieben ihn und andere hassen ihn regelrecht. Woher, so mag man fragen, kommt eigentlich der tiefe Hass, der Christen manchmal entgegen schlägt? Das Christentum bietet mit seiner Friedensbotschaft doch gar nicht viel Angriffsfläche.

Wenn man genau hinschaut, dann merkt man, dass viele der atheistischen Aktivisten, kritische Journalisten und Humanisten, die sich heute sehr emotional gegen das Christentum positionieren, sich recht gut in der Bibel auskennen. Woher kommt das eigentlich? Einige von ihnen kennen sich besser aus als manche Christen. Offensichtlich haben sie sich eine Zeitlang mit dem Glauben intensiv auseinandergesetzt.

Enttäuschte Liebe 

Es gibt keine schlimmere Enttäuschung als die, einer gescheiterten Liebe. Nicht wenige dieser Skeptiker waren früher selber Christen, haben zu Jesus gebetet. Einige sind christlich aufgewachsen, sind zur Kinderkirche gegangen, haben die Bibel in- und auswendig gelernt, ihr Herz für Jesus geöffnet und ihm vertraut. Irgendwann ist dann etwas geschehen, kam ein Bruch. Vielleicht vom Elternhaus, vielleicht während der Studienzeit. Manche sind verletzt worden, andere haben ihren Glauben hinterfragt und fanden ihn plötzlich super peinlich. Bei einigen dieser Menschen setzte irgendwann eine tiefe Enttäuschung ein, die sich in ihre Seele fraß. So viel hatten sie geopfert und Vieles hinter sich gelassen, einige hatten sich ihrer Rockmusik-Schallplatten entledigt, andere hatten Freunde eingebüßt, weil sie so gläubig waren. War es das wert gewesen? War das wirklich der Weg, den sie weiter gehen wollten? Soll die Bibel wirklich die Basis für ihr Leben sein? Oder ist das alles Humbug? Ist die Bibel überhaupt vertrauenswürdig? Fragen über Fragen.

In den letzten Jahren bin ich immer wieder mit diesen Leuten ins Gespräch gekommen. Du  findest sie überall in Deutschland. Ich würde gar sagen, dass es Millionen sind. Menschen,die ein Stück des Weges mit Jesus gegangen sind und sich dann irgendwann enttäuscht, verbittert oder peinlich berührt abgewendet haben.

Manche haben dem Druck der aufgeklärten Gesellschaft einfach nicht standgehalten. Und auch der theologische Mainstream in Deutschland hat sich der Grundlagen des Glaubens, wie Luther sie noch hatte, entledigt. Die Zeit der Aufklärung brachte viel Klarheit über die Zusammenhänge unserer Welt. Immer wieder kamen scheinbare Widersprüche zur Deutung der Bibel ans Licht. Schon bald entschloss man sich, die Bibel zu „entmythologisieren“. Alles Übernatürliche wurde umgedeutet und dem Stand der Wissenschaft angepasst.

Früher peinlich, heute kraftvoll  

Heute merkt man, dass man mit der Transzendenz auch die positive Spannung des Glaubens ausgelagert hatte, das nicht alles erklärbar ist. Das Bibelverständnis wurde glatt und angepasst, bot keine Reibungsfläche mehr und wurde irrelevant. Genau das, was Gott groß macht und uns als Menschen zu ihm aufschauen lässt, genau diese Magie, dieser Zauber, diese unglaublich Faszination, die uns erschaudern lässt, wurde ersatzlos gestrichen.

Und, wenn wir schon dabei sind: Auch bei den aktiven Christen gibt es nicht wenige, die Enttäuschungen in sich tragen, nicht so offen vielleicht aber dennoch spürbar. Sie hatten an Bibelworte geglaubt und Gebete gesprochen. Manche sind in ihrer Jugend zu den Pfadfindern gegangen, andere haben als junge Erwachsene eine Bibelschule besucht. Heute gehen sie ab und zu in einen Gottesdienst oder schauen “Hour of Power” oder “Joyce Meyer” im Fernsehen. Aber wenn es darum gehet, sich für Gott zu öffnen, in einer Gemeinde aktiv mitzuarbeiten oder Mitglied darin zu werden dann erleben sie sich als sehr zurückhaltend.

Warum eigentlich?

Welcher Stimme hören wir zu?

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Mitten in Trauer und Enttäuschung gibt es Trost bei Gott [Foto: Rainer Zilly]
Für Enttäuschung gibt es viele Ursachen. Ich kenne mich da aus. Auch ich habe durchaus einige Dinge erlebt, die nicht so verlaufen sind, wie ich meinte, dass sie verlaufen müssten. Ich habe gebetet und vertraut und die Gebete wurden nicht so erhört, wie ich es erwartet habe. Ich habe richtige Tiefschläge erlebt, die Kraft hatten, mein ganzes Leben aus den Angeln zu heben. Ich habe Schmerzen erlebt, bin verwundet und schwer enttäuscht worden.

Und doch habe ich nicht aufgehört zu glauben. Mehr noch: Ich habe nicht aufgehört, feurig und emotional zu glauben! Der Glaube lebt und pulsiert in mir, er vitalisiert mich und macht mich jeden Morgen überfließend stark für den Tag. Zu den aufgewühlten Gedanken und lauten anklagenden Stimmen in mir gesellte immer öfter die sanfte und ruhige Stimme des Heiligen Geistes. Er strahlte Sicherheit aus und gab mir Zugang zur Bibel, Gottes Wort. Es war meine Entscheidung, auf welche der Stimmen ich hören wollte. Ich hatte viele Male die Möglichkeit, dem Zorn, der Enttäuschung, der Wut und der Trauer zu folgen, oder mir beim Heiligen Geist Trost zu holen. Ich hatte die Wahl, Gott mitten in der Herausforderung anzubeten, weiter in der Bibel zu lesen und weiter seine wunderbaren Zusagen für mich in Anspruch zu nehmen, dass ich am Ende sogar besser dran sein würde als vor der Herausforderung.

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Und dann war da noch die andere Seite: Die Dinge, die richtig gut gelaufen sind, die Bereiche, in denen ich gebetet hatte und es war erhört worden! Bereiche meines Lebens, die sich richtig gut entwickelt haben! Ich habe immer wieder, in den schwierigsten Phasen meines Lebens Gott erlebt, ihm gedankt und gesehen und anerkannt, dass er in meinem Leben am Wirken ist. Mittendrin in aller Enttäuschung und mittendrin im Chaos und auch der Wut. Gott brachte meine Seele zur Ruhe und schenkte mir Lebens-Mut und Zuversicht! Es ist so kostbar, DANKE zu sagen. Danke öffnet die Augen für all das Gute. Wenn ich anfange, mich bei Gott zu bedanken, kann ich fast nicht mehr aufhören. Es fließt und fließt und fließt!

Jesus auf Distanz?  

Und so ging es auch der Männergruppe am Strand, während sie gerade dabei waren, sich in ihrer Enttäuschung zu verlieren, sich an ihr altes Leben erinnerten und wieder begannen, zu fischen, da tauchte plötzlich jemand am Strand auf, den sie zunächst gar nicht wahrnahmen. Er stand plötzlich am Strand und fragte, ob sie etwas zu Essen hätten für ihn. Autsch! Finger in die Wunde! Nein, sie hatten nichts gefangen, obwohl sie ausgebildete Fischer dabei hatten. Wie blöd war das jetzt?! Dann gab er Tipps und empfahl, es noch mal zu machen, die Netze auf der anderen Seite des Bootes auszuwerfen. Ein Tipp, der für Erstaunen sorgte, ihnen aber richtig Erfolg brachte. Die Netze waren voll. Erst da merkten sie, wer es eigentlich war, dessen Wort sie vertraut hatten. Es war der Auferstandene selbst, der, dem sie 3 Jahre nachgefolgt waren, für den sie alles aufgegeben hatten, der Grund ihrer Enttäuschung. Und sie hatten ihm vertraut.

Auch Lizzie Velasquez, Nick Vujicic und Bethany Hamilton haben Gott nicht verflucht und sich von ihm losgesagt. Sie blieben an ihm dran, dachten an al das Gute, das Gott ihnen geschenkt hatte. Sie hörten auf die ruhige und bedächtige Stimme des Heiligen Geistes ihrem Herzen und begannen, mitten in ihren schwierigen Lebenssituationen mit einem erfüllten und wertvollen Leben. Es ist diese Gemeinschaft mit Gott, die ihr Leben wertvoll und erfüllt macht. Es ist seine Kraft, die sie immer wieder neu erfüllt. So viel, dass sie noch reichlich davon abgeben können, zwei von ihnen sind Motivationstrainer. Sie haben einen der kostbarsten Schätze in ihrem Leben, den man nur haben kann  Lebensmut!

Fazit:

Wir alle, die wir uns irgendwann im Leben mit Gott und Jesus auseinandergesetzt haben, haben mit Enttäuschungen zu tun gehabt. Manche von uns haben eine regelrechte Wut im Bauch, manche sind Atheisten geworden.

Aber, mal ehrlich, so richtig glücklich wird man dadurch auch nicht, oder? Zufrieden? Erfüllt?

Ohne Frage können Sie so weitermachen! Klaro! Sie können mit einem Herzen voller Wut und Enttäuschung weiterleben. Sie sind verletzt worden und enttäuscht und Sie haben ein Recht darauf, es jeden wissen und spüren zu lassen!

Aber wenn Sie sich manchmal danach sehen, wieder Liebe zu spüren, Vergebung, Nähe, Erfüllung, dann ist das nach wie vor möglich! Auch ich kenne das Gefühl des Zorns und des Verletzt seins, und es ist unfassbar schön, den Ausgang zu finden!

Nach allem, was ich aus der Bibel weiß und selber erlebt habe, steht die Tür Ihnen noch offen! Gott ist Ihnen näher als Sie denken. Er hat Interesse an Ihnen, er ist leidenschaftlich an Kontakt mit Ihnen interessiert. Lassen Sie keine Zeit verstreichen, öffnen Sie noch heute Ihr Herz! Sprechen Sie ein Gebet, Sie wissen doch wie es geht. Ansonsten gehen Sie auf jemanden zu, der weiß, wie man betet

Wie ist es mit den positiven Dingen im Leben? Hat Gott auch etwas gut gemacht? Gibt es auch Grund, Danke zu sagen? Sagen Sie es ihm und ich bin sicher, dass es sehr positive Auswirkungen auf Ihre Situation haben wird.

Sie werden sehen, dass eine Enttäuschung nicht das Ende einer Beziehung sein muss. Eine Ent-Täuschung kann genau das sein, was das Wort sagt, das Ende einer Täuschung und der Anfang einer neuen, tieferen Beziehung zu Gott, der Sie leidenschaftlich liebt.

Ihr Jens Wätjen

veröffentlicht im Oktober 2017 durch Jens Wätjen

 

 

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2 Kommentare zu „Enttäuscht von Gott?!“

  1. Naja, natürlich wird man nicht nur durch Atheismus glücklich und zufrieden, aber das ist ja auch nicht das einzige Kriterium.
    Und so ein bisschen irreführend finde ich die Gegenüberstellung schon, denn es ist ja nicht so, dass man als Atheistin keine Liebe und Erfüllung spüren kann.

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